M2P-Games: Gambit53 – Kartenspiel

Gambit53 ist kurz vor Heiligabend auf m2p-Games erschienen und ein stichbasiertes Live-Multiplayer-Kartenspiel für 2 Spieler, das mit Pokerchips gespielt wird. Laut Anbieterangaben handelt es sich um “das wohl einfachste Casinospiel der Welt”, wobei die Einordnung als Casinospiel in diesem Fall wohl im Wesentlichen aus der optischen Darstellung herrührt.

Gambit53 online spielen – m2p-Games

Spielziel: Das Ziel des Spiels ist es, sich mittels der Chips möglichst viele wertvolle Spielkarten zu erkaufen, um am Ende die meisten Punkte zu haben.

Spielablauf:  Beide Spieler bekommen je 13 Chips mit den Werten 2 bis 14. Auf dem Spielfeld liegen verdeckt 13 Spielkarten mit den Werten 2 bis 14.

Es wird immer die oberste Spielkarte vom Kartenstapel aufgedeckt und jeder Spieler legt verdeckt einen Chip auf den Filz, den er für diese Karte ausgeben möchte. Haben beide Spieler gesetzt, werden die Chips umgedreht. Der höhere Chip gewinnt die Spielkarte. Die gesetzten Chips werden aus dem Spiel genommen, der Gewinner bekommt die Spielkarte aus der Mitte.

Das Spiel geht so lange, bis alle Karten unter den Spielern verteilt sind oder der Sieger bereits feststeht.

Gleichstand: Setzen beide Spieler einen gleichwertigen Chip ein, so bekommt kein Spieler den Zuschlag.
Es wird dann einfach vom Kartenstapel die nächste Karte genommen, aufgedeckt und zur anderen Karte, die schon auf dem Tisch liegt, dazugelegt. Beide Spieler bieten dann auf die beiden aufgedeckten Karten in einem Durchgang. Im Falle eines weiteren Gleichstands werden die Punkte der Karten zu gleichen Teilen unter den beiden Spielern aufgeteilt (falls nötig, wird der Punktestand aufgerundet).

Bei Punktegleichstand bei Spielende werden bis zu 2 weitere komplette Spiele durchgeführt. Sollte dann noch immer Gleichstand herrschen, wird der Einsatz zurückgebucht.

Gambit53 auf m2p-Games ist tatsächlich innerhalb von wenigen Sekunden erlernt, der Einstieg somit vollkommen mühelos. Und auch wenn es bloß ein maximal einfach gestricktes Stichspiel ohne Trumpffarbe ist, muss man der Spielidee einfach eine gewisse Genialität zugestehen.

In der offiziellen Anleitung zum Spiel heißt es “…, obwohl die Regeln so einfach sind, entscheiden das Können, Geschick und die Taktik über Sieg oder Niederlage”. So ein Satz bewirkt, zumindest bei mir, erstmal das Gegenteil an Überzeugungsarbeit und macht mich erst recht stutzig. Das klingt schon so als gäbe es irgendetwas zu verbergen und als ginge es nur darum den Kunden möglichst proaktiv davon abzuhalten sich seine eigene Meinung zu bilden. Ich unterstelle nicht, dass das wirklich der Gedanke hinter diesem Satz war; es ist wohl einfach eine gewöhnliche Verkaufsformulierung. Wenn auch eine sehr unglückliche. Daher nachfolgend unsere Einschätzung zum tatsächlichen Skill-Impact:

Vor allem bei Start des Spiels ist es in der Regel schlichtweg Glück wie die ersten 3,4 Stiche ablaufen. Gut sind etwa hohe Spreads (= Differenzen) bei den Kartenwerten im Falle eines verlorenen Stiches (Beispiel: Gegenspieler setzt eine 14 und man selbst eine 2), sowie niedrige Spreads bei den Kartenwerten im Falle von gewonnen Stichen (Beispiel: Man setzt eine 12 und der Gegner eine 11) um seine taktischen Möglichkeiten im weiteren Spielverlauf zu verbessern.

Denn erst nachdem einige Karten und Chips aus dem Spiel sind nimmt der Glücksfaktor durch die neu hinzu gewonnenen Informationen über das verbleibende Set an Karten und Chips allmählich ab. Aber selbst wenn die verbleibenden Informationen fast schon vollständig sind, kommt es am Ende immer wieder zu 50:50 Situationen, die über Sieg oder Niederlage entscheiden. Alles in allem ist der Glücksfaktor also wieder sehr entscheidend, sei es nun am Anfang oder (auch) am Ende des Spiels. Bei Live-Multiplayerspielen ist dieser Umstand aber erfahrungsgemäß gar nicht besonders schlimm und wird von den Spielern viel eher akzeptiert als bei zeitversetzten Duell-Spielen. Was ich hier also kritisch sehe ist in erster Linie der etwas dick aufgetragene, zitierte Satz aus der Spielbeschreibung und weniger der Glücksfaktor selbst. Als Singleplayer gegen einen Computergegner könnte man Gambit53 definitiv nicht als Skillgame anbieten, als Live-Multiplayer finde ich es auf Grund des Unterhaltungsfaktors aber völlig vertretbar und nicht viel anders als beispielsweise ein Multiplayer-Knobeln. Bei Gambit53 kommt theoretisch auch noch – ganz ähnlich wie beim Poker – der psychologische Aspekt hinzu, seinen Mitspieler im Zuge des Spielverlaufes ggf. sogar “lesen” zu können. Anders als beim Multiplayer-Knobeln, wo es weniger Handlungsspielräume für das Eingehen vertretbarer Risiken gibt, kann sich bei Gambit53 in Einzelfällen durchaus mal ein spielentscheidender Vorteil ergeben, wenn man das Handeln seines Gegenüber vorausahnen kann. In der Bewertung hier möchte ich mich aber nur an wirklich messbare Fakten halten und die psychologische Komponente außen vor lassen.

Allgemeiner Tipp: Achtet im Zweifel eher auf die vom Gegner bereits ausgespielten Chips als auf die bereits aufgedeckten Karten. Oder noch besser: Schreibt einfach den kompletten Spielablauf in einer Excel-Tabelle oder auf einem Zettel live mit.

Gambit53 ist ein Cross-Plattform-Spiel und kann auch als iOS-App und Android-App gedownloadet werden (Version von Google Play nur ohne Geldeinsatz, Vollversion von m2p-Games auch mit Geldeinsatz).

Der Spielspaß von Gambit53 als Skillgame ist insgesamt mittelmäßig. Das Spielidee ist zwar auf der einen Seite sehr gut, auf der Anderen aber auch sehr eintönig. Auf Dauer lassen sich auf Grund des Glücksfaktors keine Gewinne erzielen, wenn dann lohnt es sich nur, in einem kleinen Rahmen mit extrem hohem Einsatz zu spielen und auf sein Glück zu hoffen. Eine Runde zwischendurch dient andernfalls also vorderrangig der Unterhaltung und macht auch durchaus Spaß. Vor allem mit Freunden und via App oder Brettspiel-Version (das Crowdfunding-Projekt ist zwar nicht zu Stande gekommen, aber eine erste, zunächst auf 50 Stück limitierte Brettspiel-Variante wurde trotzdem produziert).

Ein weiterer Kritikpunkt ist die Gleichstandsregel, die nicht optimal gelöst wurde. Das m2p-Games nicht nach Setz-Geschwindigkeit geht halte ich aus Fairnessgründen (Cross-Plattform-Synchronisierung, schwankende WiFi-Verbindung,…) für sehr gut nachvollziehbar und richtig. Aber wenn die Lösung für die Gleichstandsproblematik darin besteht, dass Punktestände aufgerundet werden, dann leidet die “53” im Spieltitel massiv an Glaubwürdigkeit. Denn es kann – wenn auch nur in ganz wenigen Fällen – vorkommen, dass 53 Punkte durch Aufrundungen auf einmal doch noch nicht zum Sieg ausreichen und zum Beispiel 54 oder 55 Punkte für den Erfolg notwendig werden. Wenn in den Spielregeln dann noch steht “Das Spiel geht so lange, bis alle Karten unter den Spielern verteilt sind”, ist die Irreführung schnell perfekt. Dort fehlt jedenfalls der Hinweis, dass das Spiel vorzeitig beendet wird, sobald der Sieger bereits feststeht (diesen Passus habe ich in der Zusammenfassung der Spielregeln weiter oben hier im Blog selber hinzugefügt).

Grafisch sieht Gambit53 zwar sehr schlicht, aber das was da ist wie zu erwarten schmuck und hochwertig aus. Allerdings wäre es wohl gerade bei diesem Spiel nicht verkehrt gewesen einen Spielcharakter einzubinden. Da m2p-Games von Gambit53 schon im Vorfeld immer sehr überzeugt geklungen hat und da trotz der herauszuhörenden Wichtigkeit dieses Releases kein Charakter integriert wurde, ist das nicht unbedingt ein gutes Zeichen. Für den fehlenden Spielecharakter gibt es zwar keinen Notenabzug, aber es ist und bleibt “historisch” bedingt ein wichtiges Merkmal, an dem sich alle neuen Spiele dieses deutschen Spieleportales messen müssen.

gambit53 m2p-gamesGambit53 kostenlos spielen – Faktencheck

Das ist gut! Das ist nicht so gut!
Positiv Simple Spielidee, sehr leichter Einstieg
Positiv Live-Multiplayer
Positiv Cross-Platform-Support
Negativ Weniger skillbasiert als angepriesen
Negativ Kaum Langzeitmotivation
Negativ Gleichstandsregel suboptimal / irreführend
Negativ Kein Spielecharakter (neutral)

Fazit

Gambit53 auf m2p-Games ist ein interessantes und extrem anfängerfreundliches Spielerelease, das die hohen Erwartungen aber zumindest in der webbasierten Skillgame-Variante nicht erfüllen kann. In der Mobile-App-Version ist das neue Kartenspiel auf Grund seiner einfachen und intuitiven Spielbarkeit schon besser aufgehoben, spricht aber auch hier als Zielgruppe fast ausschließlich Casinospieler an, die sich für “Skillgames” interessieren oder den Unterschied nicht kennen. Für Skillgamer, die schon seit Jahren auf m2p-Games und anderen Plattformen aktiv sind bietet Gambit53 zu wenig Abwechslung. Dann doch lieber eine herrlich-hektische Runde Multiknobeln zu viert!

Gambit53 ist alles andere als ein schlechtes Spiel, aber eben auch nicht der absolute Spielehit, der jeden Gamer und sogar Nicht-Gamer anspricht. Die Casino-Optik trägt ihren Beitrag dazu bei. In der Breite bleibt als einfaches Live-Multiplayer-Stichspiel bis dato nur Sticheln auf Gameduell zu empfehlen. Für m2p-Games bleibt wohl in erster Linie zu hoffen, mit Gambit53 neue Kunden aus der Casino-Sparte für sich zu gewinnen.

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